Überlegungen zum Stil

Wer eine Familiengeschichte bzw. Biografie schreiben möchte, steht vor der Frage, wie diese stilistisch gestaltet sein soll. Es gibt mehrere Möglichkeiten, Erlebtes darzustellen:

  • erzählend
  • kommentierend
  • szenisch
  • aus diesen Formen gemischt

Die rein erzählende Darstellung gibt das Erlebte so wieder, wie es sich in der Erinnerung der Schreibenden manifestiert hat. Das heißt nicht, dass es auch wirklich so war, wie es zum Ausdruck gebracht wird, aber es wird eine Geschichte wiedergegeben, ohne sie bereits beim Schreiben für die Leser oder für sich selbst zu kommentieren. Dies ist gar nicht so einfach, da inzwischen fast alle Menschen eine Art rückwirkend psychologische Sichtweise ihres eigenen Lebens haben. Wir sind informiert über Trauma, die Auswirkungen der Kindheit auf unsere psychische Befindlichkeit, und können sehr gut unser Tun im Jetzt als eine Folge unserer Vergangenheit ableiten. Wer sein Leben beschreiben möchte, hat sich wahrscheinlich schon ausreichend damit auseinandergesetzt und es nur zu beschreiben, ohne es gleichzeitig zu deuten, fällt schwer. Die rein erzählende Darstellung verlangt die Disziplin, die Ereignisse beim Schreiben nicht zu werten und dies auch nicht unterschwellig zu tun. Die Aufgabe ist, eine urteilsfreie Betrachtung der Vergangenheit zu geben. 

Das kommentierende Erzählen ist vielleicht die leichteste Form des biografischen Erzählens. Die Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte erfolgt aus einer psychologischen Sichtweise und gibt die Möglichkeit, die Deutung gleich mitzuliefern. In diesem Fall wird den Lesenden gleich sozusagen die Auflösung der Lebensgeschichte mitgeliefert. Den Schreibenden gibt diese Form die Möglichkeit, sich selbst zu analysieren, etwas, was wir inzwischen wohl ständig tun.

Das szenische Erzählen setzt eine besondere schriftstellerische Begabung voraus, denn hier ist es notwendig, ein Leben ähnlich einem Roman oder Film zu verdichten. Einzelne Episoden aus dem Leben müssen nach ihrer Bedeutung geordnet und gewichtet werden. Diese Form benötigt auch die Fähigkeit, die Symbolkraft eines normalen Lebens-Ereignisses zu erkennen und dementsprechend bildlich und energetisch umzusetzen. 

Letztendlich muss man vor dem Schreiben seiner Familiengeschichte bzw. Biografie die Entscheidung treffen, welche Intention man verfolgt und welche Wirkung man erzielen möchte. 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0