Schreiben für die Öffentlichkeit

Haben Schreibende vor, ihre Biografie zu veröffentlichen, so stellen sich einige Fragen zu Inhalt, Aufbau und Stil:

  • Ist meine Familien-bzw. Lebensgeschichte für Außenstehende so interessant, dass sie diese kaufen und lesen würden?
  • Wie gestalte ich den Aufbau?
  • Auf welche Aspekte lege ich besonders wert?
  • Welche Intention verfolge ich?
  • Was mache ich öffentlich?
  • Was möchte ich nicht der Öffentlichkeit preisgeben?
  • Wie möchte ich in dieser Biografie gesehen werden?
  • Wie stelle ich die anderen Familienmitglieder dar?

Das, was Schreibende einer Familiengeschichte wohl am meisten beschäftigt, ist die erste Frage: Ist mein Leben interessant und lesenswert genug, um es anderen in Form eines Buches zu präsentieren. Ich denke immer, dass die Lebensgeschichte eines jeden Menschen außergewöhnlich ist und es sicher wert wäre, niedergeschrieben zu werden. Warum soll ein anderer gerade meine Geschichte lesen? Vielleicht ist sie im Vergleich zu anderen sogar einfach und gewöhnlich. Biografien und Biopics finden sich derzeit in Massen über Prominente, denen die Menschen zugejubelt haben oder zujubeln, die Großes geleistet haben oder ein Vorbild für andere sein können. Wenn dies alles nicht zutrifft, was sollte dann an diesem Leben interessant sein? Da die eigene Geschichte für die schreibende Person alles bedeutet und man sie für exklusiv hält, besteht die große Angst, dass es an dem Erzählen derselben vielleicht kein Interesse geben könnte und man die Bedeutung des eigenen Schicksales überschätzt. Vielleicht haben andere Ähnliches erlebt und finden die Biografie daher nicht spannend oder sie haben noch viel Außergewöhnlicheres erlebt und finden sie langweilig.

Die zweite Frage richtet sich darauf, dass nicht alle Aspekte eines Lebens dargestellt werden können und man eine Auswahl treffen muss. Was sind also die besonderen Aspekte und finden andere sie auch besonders? Schließlich ist ein Teil der Intention, und hier komme ich schon zu Frage drei, der Wunsch gesehen zu werden und anderen Menschen mitzuteilen, wer man ist und warum man zu dem geworden ist, der man nun ist. Die eigene Persönlichkeit ist ein Produkt davon, wie man mit seinem angeborenen Wesenskern auf die einen umgebenden Lebensbedingungen reagiert hat. Dies hat den Menschen geformt, wie er sich nun der Außenwelt präsentiert. Die Intention eines biografisch Schreibenden ist somit meist das Sichtbar-Machen von sich selbst. Dies führt wiederum zum nächsten Fragenkomplex: Wie ehrlich möchte ich sein? Schildere ich mein Leben mit meinen Fehlern und Schwächen und versuche ich möglichst authentisch zu sein oder präsentiere ich ein bestimmtes Bild von mir?Zeige ich nur bestimmte Aspekte, die mich in dem Licht erscheinen lassen, in dem ich gesehen werden möchte oder gehe ich das Wagnis ein, mich selbst den Lesenden auszusetzen. Bei der Darstellung der Familienmitglieder wird es ebenfalls schwierig, da man ihre Privatsphäre nicht ohne ihr Einverständnis der Öffentlichkeit preisgeben sollte. Auch bei ihrem Einverständnis riskiert man, dass die Beschriebenen doch nicht mit ihrer Darstellung zufrieden und beleidigt sind.

Alle diese Fragen sind es wert, sich zu stellen, wenn man eine Biofrafie oder Familiengeschichte zu veröffentlichen plant. 

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