Für wen schreibe ich? - Schreiben für sich selbst

Dem Schreibenden einer Autobiografie stellt sich vor Schreibbeginn die Frage, für wen man schreibt. Es macht einen Unterschied, ob der Text für den Schreibenden selbst ist oder ob er für eine Lesergruppe veröffentlicht werden soll. 

Das Schreiben für sich selbst kann eine wichtige Auseinandersetzung mit der biografischen Vergangenheit sein und dient der Reflexion und Selbsterkenntnis. Biografisches Schreiben ist eine anerkannte Methode der Psychotherapie. Durch das „Zu-Papier-Bringen“ der Aspekte der Vergangenheit gelingt eine intensivere Auseinandersetzung mit den schwierigen Anteilen aus früheren Lebensabschnitten als die ständige gedankliche in Form von Grübeleien oder Gesprächen. Schreiben zwingt zu einer Struktur und zu klarem Ausdruck. Dies führt zu einer Entschleunigung und somit auch Intensivierung des Gedankenflusses. Das Schreiben nur für sich selbst kann zu einer höheren Ebene der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit führen und somit auch zu einem Eintritt in eine größere Lösungskompetenz. Allerdings setzt dies voraus, dass der Schreibende einen Wunsch nach der schriftlichen Niederlegung verspürt und auch die Einsamkeit des Schreibens erträgt. Hier gibt es kein Gegenüber, das Fragen stellt, antwortet oder klärt. Außerdem führt die Verschriftlichung auch zu größerer  Deutlichkeit der Problematik, da das Geschriebene schwarz auf weiß vor einem liegt. Gedanken verflüchtigen sich wieder und haben insofern nicht diese „Härte“ wie ein geschriebener Text, der immer wieder gelesen werden kann und somit etwas Bleibendes ist. Die aufgeschriebenen Gedanken ein wenig später zu lesen kann sogar schockierend sein.

Allerdings gibt es auch ein Schreiben für sich selbst, das nicht unbedingt therapeutischen und aufarbeitenden Charakter hat, sondern dazu dient, eine Familiengeschichte und die Personen der Familie nicht dem Vergessen anheim fallen zu lassen. Dieses Schreiben kann dazu dienen, für sich selbst ein Denkmal zu gestalten oder auch anderen Familienmitgliedern diese Geschichte zu erzählen. Es kann sehr inspirierend sein, sich in schriftlicher Form mit den Geschehnissen der eigenen Familie auseinanderzusetzen. Gerade in einer späteren Altersphase, aber auch in Zeiten des Umbruchs kann das Aufschreiben der Familiengeschichte erdend sein und zu innerer Ruhe führen. 

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