Eine Autobiografie-Es ist ja alles schon da

Gedanken zu Schreiben einer Autobiografie

Eine Autobiografie schreibt sich doch von selbst. Alles, was man braucht, sowohl bezüglich Stoff als auch Aufbau, ist schon vorhanden. Alles ist schon da. Das waren meine Überlegungen, als ich mich entschloss, endlich mit dem Schreiben meiner Familiengeschichte zu beginnen. Jetzt war Zeit dazu, da der Stress und die Ablenkung durch den Beruf Vergangenheit waren. Schon lange hatte ich mir gewünscht, die Geschichte meiner Familie zu Papier zu bringen, da es niemanden in der Familie gibt, dem ich sie weitererzählen konnte. Familiengeschichten zu erzählen, hatte in meiner Familie eine große Tradition. Ich wurde konfrontiert mit Erzählungen über meine Groß- und Urgroßeltern, über Papa Brüder, über Mamas Verwandte. Auch meine Oma neigte dazu, mir Geschichten aus der Vergangenheit zu erzählen. Nun sind alle tot und ich kann sie leider zu manchem nicht mehr befragen. Vieles ist mir in Erinnerung geblieben, aber manches hätte ich gerne noch näher erfahren. Bei genauer Betrachten, die beim Aufschreiben nötig ist, fällt mir auf, dass manches nicht immer schlüssig ist und sich vielleicht auch etwas anders zugetragen hat. Aber ich denke, darum geht es nicht. Neben dem Wahrheitsgehalt gibt es ein Narrativ und dieses ist vielleicht noch wichtiger als die Genauigkeit der Ereignisse, die sich zugetragen haben. 

Familien haben meist ein durch gehendes Thema, das Generationen durchzieht. Manchmal ist es ein Trauma, manchmal ist es eine Idee davon, wer wir sind oder auch sein möchten. Es ist schwierig, sich aus diesem Grundthema zu entfernen, da es zutiefst in den Personen verankert ist und letztlich auch Sicherheit bietet. An diesem Thema wird festgehalten und was nicht dazu passt, wird passend gemacht oder ausgelassen. Ein Grundthema kann ein Sicherheitsanker, aber auch ein Fluch sein. Beim Schreiben einer Biografie wird sich dieses Thema in den Mittelpunkt drängen und noch stärker zutage treten.

Eine weitere Problematik, die sich beim Schreiben einer Autobiografie oder Familiengeschichte ergibt, ist die Frage, wie weit dargestellte Personen der Öffentlichkeit preisgegeben werden, bzw. geschützt werden müssen. Noch Lebende müssen fairerweise befragt werden, was dazu führen kann, dass man wichtige Aspekte der Geschichte nicht schreiben kann, wenn es nicht erwünscht ist. Die bereits verstorbenen Personen können sich nicht mehr wehren, was aber auch dazu führt, dass man die Verantwortung für deren Darstellung übernehmen muss.. Und letztlich ist man auch mit der Problematik der eigenen Privatsphäre konfrontiert: Was will ich, dass von mir ans Tageslicht kommt? Wie werde ich in Zukunft gesehen, wenn Menschen meine Geschichte lesen können.

Schließlich stellt sich auch noch die Frage: Für wen schreibe ich? Möchte ich, dass meine Familiengeschichte gelesen wird oder geht es darum, dass ich selbst mit meiner Vergangenheit ins Reine komme? Wahrscheinlich möchte man beides vereinen. 

 

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